Der CCC Congress fand zwischen dem 27. und 30. Dezember 2017 in Leipzig statt. Normalerweise fanden die letzten CCC Events in Hamburg statt, dort wurde allerdings renoviert – und die stetig wachsenden Besucherzahlen hätte man in der alten Location auch nicht mehr unterbringen können – deshalb also die Entscheidung für die gute alte Messestadt Leipzig.

Wenn man zuvor noch nie auf einem CCC Congress war, ist der erste Eindruck dann auch ein wenig überwältigend; in meinem Fall war es das zumindest.

Hauptsächlich sind auf dem Congress noch Männer vertreten, jedoch wurde uns gesagt, dass in den letzten Jahren die Zahl der teilnehmenden Frauen um einiges zugenommen hat. Wenn man sich dann mal genauer die Teilnehmer anschaut, fällt auf, dass alle ein wenig anders sind. Abgesehen von Leuten in Kostümen, Männern mit Lippenstift auch der ganz offensichtliche Nerd – es gibt keine Grenzen.

Auf einem der Plakate stand der Spruch:
Endlich unter ganz normalen Leuten.

Und es stimmt einfach. Man fühlt sich willkommen und auch angekommen. Das zählt noch mehr für Personen, die im Alltag vielleicht eher Probleme haben sich einzugliedern, weil ihre Interessen nicht dem typischen Schema entsprechen. Hier sind sie keine Außenseiter sondern die Regel.

Es ist also kein Wunder, dass den Organisatoren die Themen Diversity, das Miteinander und die Akzeptanz in jeglicher Hinsicht groß schrieben. Sollte es tatsächlich aber zu Übergriffen oder unangenehmen Situationen kommen (was bei einem Event mit 15.000 Besucher durchaus möglich ist) besteht die Option sich an spezielle Stellen zu wenden, die einem dann weiterhelfen.

Normalerweise ist man es von großen Messen eher gewöhnt, dass man übervorsichtig auf seine Sachen aufpassen muss und die meisten Leute eher gestresst und unfreundlich sind. Im Fall des 34C3 traf das ganz und gar nicht zu. Im Gegenteil, jeder war freundlich und freute sich über Nachfragen zu Projekten und Themen.

Ein Freund hatte erzählt, dass falls man auf dem Congress sein Laptop irgendwo vergisst, er statt geklaut, eher mit einem Ladekabel versehen und an den Strom angeschlossen wird, damit keine Daten verloren gehen. Empfehlen würde ich so viel Vertrauensseligkeit trotzdem niemand, aber Geschichten wie diese zeigen doch den Spirit, der auf dieser Messe herrscht.

Die Akzeptanz und Rücksichtnahme bezieht sich aber auch auf das Alter. Sowohl Kleinkinder, aber auch Personen bis ins hohe Alter sind vertreten. Für jeden findet sich etwas das ihn interessiert und womit er sich beschäftigen kann. Zum einen findet man für Kleinkindern ein Spielebereich mit Bällebad und Kletterparkours, Rutschen und weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten.

Für die etwas älteren Kinder gibt es spezielle Kurse, um Löten zu lernen. Bei „Jugend hackt“ gibt es Workshops und Gruppenprojekte, um der Welt zukünftig mehr als nur ein „hello world“ entgegen zu werfen. Auch Spiele wie Minecraft oder Just Dance werden gehackt, adaptiert und letztlich auch mit viel Leidenschaft gespielt.

Bei den Erwachsenen sind die Möglichkeiten natürlich noch um einiges größer. Zum einen bestand die Möglichkeit Inverswandler selbst zu verlöten. Auch fanden sich Gruppen zusammen, die extra nur für dieses Event aus allen Teilen der Welt anreisen und dann face-to-face Projekte bearbeiten und die Zeit zusammen genießen.

Ganz allgemein gab es eine Menge Messestände, die zu allerlei Themen informierten. Beeindruckt hat mich ein Stand, an dem ich selbst testen konnte wie einfach eine unabgeschlossene Tür geknackt werden kann. Einmal mit Nutzung von einem Stück Hartplastik wie es bei Wasserflaschen verwendet wird und einmal mit speziellem Werkzeug – es war beides erschreckend einfach. Es gab sogar einen Kurs, um zu lernen unterschiedliche Schlösser zu knacken.

Beim Schlendern durch die Hallen, konnte man sich die Werke einiger 3D-Drucker anschauen oder die unterschiedlichsten LED Konstruktionen bewundern. Ebenfalls bestand die Möglichkeit sich in Indoor-Zelten nieder zu lassen oder einfach nur Menschen und Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Für das leibliche Wohl war glücklicherweise auch ausreichend gesorgt. Das angebotene Spektrum enthielt für jeden etwas. Es wurden sowohl chinesische Gerichte angeboten, als auch Hot Dogs oder veganes Essen.

Getränketechnisch kann man hier auch noch mein erstes Aufeinandertreffen mit Club Mate erwähnen. Wie ich erfahren habe ein beliebtes Getränk unter Hackern und Hipstern: beim ersten Schluck wahrlich gewöhnungsbedürftig – um ehrlich zu sein nicht nur beim Ersten. Es war auf der ganze Messe wohl das beliebteste Getränk bei den Besuchern. Und letzten Endes dann auch bei mir.

Abgesehen aber von den möglichen handwerklichen Kursen und dem Essen gab es auch noch wirklich interessante Vorträge von fachkundigen Personen, die auf englisch oder deutsch ihre vorher getesteten Themen präsentierten. Die Vorträge fanden zwischen und 11.30 Uhr und 0.00 Uhr statt und behandelten immer unterschiedliche Themengebiete.

In einem der Vorträge wurde erklärt wie einfach es ist eine Ladekarte für Elektroautos zu fälschen und wie leicht es ist an Kartennummern und sensible Daten der Besitzer im Allgemeinen zu kommen. Erschreckend wiederum, dass man dafür selbst nur höchsten 6 Schrauben lockern muss und einen USB Stick benötigt.

Internet of Fails

Auch gab es den Vortrag IoT – Internet of Things. In diesem Vortrag wurde viel über Spielzeuge und deren mögliche Abhör- und Aufnahmefunktionen berichtet. In einigen Spielzeugen heutzutage sind Mikrofone verbaut um das Kind mit dem entsprechenden Spielzeug kommunizieren zu lassen. Meist werden hierfür die Handys der Eltern mit den Spielzeugen der Kinder gekoppelt. Problematisch ist es nur, dass auch andere Handys in Reichweite die Verbindung zu dem Kinderspielzeug aufnehmen können und so die Sachen manipulieren und die Kinder erschrecken können. Einige der vorgestellten Spielzeuge wurden mittlerweile auch schon verboten, weil die Sicherheit der Daten nicht gewährleistet ist.

Die fabelhafte Welt des Mobilebankings

Ebenso wurde das Thema Mobilebanking aufgegriffen und dort die Problematik mit Angriffen gegen App-basierende TAN-Verfahren aufgezeigt. Vor allem sollte gezeigt werden, dass die speziellen Sicherheitsmaßnahmen der bestimmten Apps durch andere Programme leicht übergangen werden können und die App dann mehr oder weniger schutzlos genutzt wird.

The Snowden Refugees under Surveillance

Ein großes Highlight des Congress war sicherlich der Talk über und mit der Familie, die Edward Snowden bei seinerer Flucht half und ihm ein sicheres Versteck bot. Abgesehen von dem politischen Ausmaß, dass die Familie erleben musste, kam es auch noch zu einem persönlichen Gespräch mit Snowden selbst der dazugeschaltet wurde, über seine schwere Zeit der Verfolgung spricht und sogar noch Fragen aus dem Publikum beantwortet. Zudem erhält man eine andere Sicht auf das Geschehen, im Gegensatz zu dem was in den Nachrichten publiziert wird.

tuwat

Dabei geht es nicht immer nur Praktisch, um das hier und jetzt, um ein bestimmtes Produkt oder eine spezifische Sicherheitslücke – sondern fast schon philosophisch, um die Vergangenheit und vorallem die Zukunft. Der britische Science fiction Autor Charles Stross malte in seiner ziemlich düsteren Keynote das Bild der Kozerne im 21. Jahrhundert, die es direkt auf unser Hirn abgesehen haben, nämlich auf unser Suchtzentrum. Sie wissen, was uns abhängig macht, was uns aufregt und motiviert und füttern uns dann damit – ob Farmville oder der ganz normale Werbealgoritmen auf der freundlichen Website nebenan. Tim Pritlove sprach in seiner Keynote vom „akuten Revolutionsbedarf“, zeigte Interviews aus dem Jahr 1999, als der Chaos Computer Club eines seiner Hauptziele, Schüler für Informatik und Aktivismus zu begeistern, formulierte. Jedem im Saal wurde klar, dass sich in den vielen Jahren seit diesem Interview nicht allzu viel getan hat.

Security Nightmares 0x12

Einer der letzten Beiträge die ich persönliche mitbekommen habe, waren die Security Nights 0x12 und zeigten einige Fehler und Probleme diesen Jahres und des Jahres 2007 auf. Als auch die Fortschritte bis heute und welche Trends immer mehr Publik werden.

Was kostet der Spaß?

Betracht man schlussendlich noch den finanziellen Aspekt kostet ein ermäßigtes 4 Tages-Ticket 100 Euro. Normale Tickets liegen bei 120 Euro. Man kann aber auch einen Betrag zahlen, den man für angemessen hält. So könnte man auch 300 Euro für das Selbe Ticket zahlen, um zu zeigen, dass man das Event besonders unterstützt. Das Event selbst trägt sich über Sponsoren und genau solche Zahlungen. Der Parkplatzpreis pro Tag lag bei sechs Euro.

Die Preis für die leckere Verpflegung innerhalb der Messe war vollkommen im Rahmen, auch für eine Auszubildende.

Aufbau und Abbau, als auch Aushilfen zum Beispiel als Platzanweiser und dergleichen sind freiwillige Helfer und bekommen keinen finanziellen Ausgleich für ihre Arbeit. Sie werden auch als Engel betitelt. Man selbst kann sich bei Interesse gerne im Himmel anmelden, um sich für eine Schicht einteilen zulassen.

Fazit

Als Fazit kann ich dann allgemein nur sagen, dass bei Interesse an IT-Themen, es auf jeden Fall eine Erfahrung wert ist. Der Congress bietet vielen Nischen eine Heimat, klassischen und weniger klassischen Hackern, Podcastern, Aktivisten und allen, die sich mit offenen Augen mit dem Informationszeitalter beschäftigen wollen.

Jessica Müller

Jessica Müller

Auszubildende

Wer Jessica kennenlernt bekommt schnell den Eindruck, dass sie geboren wurde um Hindernisse zu überwinden. Egal ob beim Klettern, Tanzen, oder Motorradfahren. Wen wundert‘s, dass sie mit demselben Ehrgeiz auch die Ausbildung in einer klassischen Männerdomäne anpackt: Geht nicht, gibt’s nicht!

Gefällt dir der Artikel? Bitte teile ihn!
Share on Facebook
Facebook
6Share on Google+
Google+
0Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email
Tweet about this on Twitter
Twitter