Chancen- und Risikomanagement leicht gemacht

Wer hat sich hierüber noch keine Gedanken gemacht. Wie leicht ist eine Chance vertan. Wie schnell gehen wir ein Risiko ein. Und was sind die Folgen unserer Entscheidungen? Im privaten sowie im unternehmerischen Umfeld muss man sich diesen Fragen stellen. So oder so, man erzwingt immer eine Entscheidung. Ob durch Unterlassung der Einleitung von Maßnahmen zur Risikoreduzierung oder durch die aktive Nutzung von Chancen (Anmerkung des Autors: in Horrorfilmen stellt man sich doch auch immer die gleichen Fragen: Warum müssen sich die Protagonisten aufteilen? Sollte man da wirklich die Hand hineinstecken? Gibt es keine Lichtschalter in dem Keller? Warum liegt da Stroh?).

Hier mal ein kleines Beispiel. Stellen Sie sich vor, sie besitzen einen Kirschbaum. Nun ist die Zeit gekommen und Sie könnten Kirschen ernten. Einige hängen in Griffhöhe, andere (und damit die meisten) eben nicht. Sie müssen eine Leiter anstellen. Diese Situation spiegelt alle Aspekte wider. Sie haben die Chance, durch die Nutzung einer Leiter die schönen, weiter oben befindlichen Kirschen zu pflücken und somit den Ertrag und die Qualität des Ertrages zu steigern. Mit der Menge an Kirschen könnten Sie sogar ihre Nachbarn oder auch die Schwiegermutter mit Folgeprodukten (Kirschmarmelade oder ähnliches) glücklich(er) machen. Nun haben Sie es nicht so mit der Höhe und auch nicht mit Leitern und so richtig fleißig sind Sie ebenfalls nicht. Nun wägen Sie ab. Gerade kommt ein Nachbar um die Ecke und fragt, ob er nicht auch ein paar Kirschen haben könnte. Nun steigen wir in die Chancen- und Risikobehandlung ein. Sie verhandeln mit dem Nachbarn, er könne so viele Kirschen haben wie er möchte, er pflücke mir jedoch mindestens 5 kg. Ergo: Das Risiko (beim Pflücken von der Leiter fallen) wurde dahingehend reduziert, dass es auf den Nachbarn übertragen wurde. Gleichzeitig wurde der Nachbar glücklich gemacht (Kirschen-Flatrate), Sie haben ihre Kirschen für die Schwiegermutter. Also alles in allem eine erfolgreiche Behandlung des Risikos bzw. der Chance.

Da das (unternehmerische) Leben aber nicht immer in perfekten Bahnen läuft, hier noch ein weiteres Beispiel. Nehmen wir Folgendes an. Sie sind ein ausgesprochener Liebhaber von Rohmilch. Und klar, Sie haben einen Milchbauern in der Nähe bei dem sie sich regelmäßig mit Milch eindecken. Da ihr Umweltbewusstsein stark ausgeprägt ist, verwenden Sie wiederverwendbare Glasflaschen mit Schnappverschluss (das wird im weiteren Verlauf noch wichtig. Ich weise an dieser Stelle schon mal darauf hin, dass ich für Schäden durch eventuelle Nachahmung, keine Haftung übernehme). Die Milch ist der Renner im Haushalt und nur selten bleib was übrig. Durch eine Unachtsamkeit (Butterfly effect) wurde die Kühlkette, in welcher sich die Milch befinden sollte, unterbrochen (die Gründe für das nicht-zurückstellen in den Kühlschrank sowie der Verursacher bzw. eigentliche Initiator der Misere konnten rückblickend nicht mehr ermittelt werden). Die Milch war also bereits etwas sauer. Was tun mit saurer Milch und mit der Flasche. Nun ist so ein Haushalt grundsätzlich  gut organisiert. Jeder hat seine Aufgaben und Steckenpferde. Die Reinigung von Milchflaschen mit bereits übergegangener Milch scheint ein GAP in diesem Konstrukt zu sein. Durch die fehlende Verantwortungsübernahme wurde bereits das erste Risiko in Kauf genommen. Die olfaktorische Entwicklung des Gärgutes. Gleichzeitig tat sich eine Chance auf. Warum nicht auch mal Käse selber machen. Und so trug es sich zu, dass sich der Inhalt der Flasche in der Nähe des Küchenwaschbeckens (immer gut in Sicht) über einige Wochen ohne zutun weiter von sich hin gährte und entwickelte. In Woche 3 hatte sich das Wasser schon deutlich von den Festbestandteilen getrennt. Die Chance auf einen guten Käse überwogen die noch in der Flasche schlummernden, jedoch nicht gänzlich unterkannten Risiken. Nun ein kurzer Ausflug in die Drucklehre. Druck versucht sich stets auszugleichen. Gärprozesse erzeugen unter anderem CO2 und andere Faulgase. Nun herrschte nach den 4-5 Wochen der Reife, ein erheblicher Druckunterschied zwischen dem Flascheninneren und der die Flasche umgebenden Raum. Und hier liegt der Teufel im Details. „Glas“-flaschen sind keine „Gas“-flaschen. Der Druckausgleich erfolgte ungeplant und unerwartet (Anmerkung des Autors: der 05.06.2021 wird ab sofort im jährlichen Turnus innerhalb des Familienverbundes als offizieller „Tag des Augenlichts“ gefeiert).

Abschließend könnte man die Kirschen- und die Käsemanufaktur noch kombinieren. Anstatt die Kirschen zu pflücken hätte man der Schwiegermutter (heimlich) die Glasflasche mit dem Gärgut unbemerkt in ihre Wohnung deponieren können (Anmerkungen des Autors: Dies ist nun Prosa und erfunden. Der Schwiegermutter-Vergleich wird als reines Erklärungsmodell herangezogen).

Dieses Beispiel zeigt nun: nicht jede Chance sollte genutzt werden. Zudem zeigt es auch, dass jedes Risiko zumindest betrachtet und bewertet werden sollte.

Im unternehmerischen Umfeld wird dies oft unterschätzt oder nur stiefmütterlich behandelt. Risiko- und Chancen-Bewusstsein kann, wenn es denn sinnvoll eingesetzt und integriert ist, die Zukunft sichern.

Lohnt der Aufwand

Dieser Frage stellt sich bzw. sollte sich jeder Unternehmer stellen. Die Antwort lautet: Ja. Nur wenn ich meine Risiken kenne, kann ich auch mögliche Chancen ableiten. Kenne ich die Risiken, kann ich handeln und Maßnahmen einleiten.

Risiken sind hauptsächlich finanzieller Natur

Dies ist eine der häufigsten Fehleinschätzungen beim Aufbau und Betrieb eines Chance- und Risikomanagements. Sicher sind alle Risiken, bricht man Sie bis zum letzten Punkt herunter, an irgend einer Stelle immer mit Finanzen verkettet. Habe ich z. B. einen etwas hyperaktiven Vertrieb der mir zwar allerlei Aufträge beschafft, dies aber losgelöst von der Personalplanung oder sonstiger Ressourcenbetrachtung tut, kann dies schnell in einer Tragödie enden.

Bei der Bewertung der Risiken sollte man dies berücksichtigen und nicht nur finanzielle Auswirkungen, sondern auch nicht-monetäre Aspekte betrachten. Kriterien wie mögliche Betriebsausfälle, Reputationsverluste oder auch die Auswirkung von Risiken innerhalb von Projekten (Timeline, Material und Ressourcen) sollten mit einbezogen werden.

Im stillen Kämmerlein…

Da sollte das RM nicht verweilen. Die Mitarbeiter sollten ein Anrecht und selbstredend auch in Interesse daran haben, sich mit den Risiken auseinander zu setzen. Die Mitarbeiter selbst können dazu beitragen, Risiken zu erkennen. Die Weisheit liegt nicht (immer) nur in den Köpfen der Führungsriege (obschon dies häufig kolportiert wird). Transparenz ist demnach nicht nur wichtig, es ist essentiell.

NORF (no risk, no fun)

Die Risikobereitschaft (oder auch Risikoappetit) eines Unternehmens hängt davon ab, wie das Unternehmen mit Risiken und Chancen umgehen möchte. Hier sollten harte Grenzen gezogen werden, welche die Summe aller Risiken über die gesamte Unternehmung hinweg berücksichtigt. Stellen Sie sich jedes Risiko als ein Kartenhaus vor. Das eine größer, das andere besteht nur aus zwei Karten. Alle Risiken (also Kartenhäuschen) werden in einem großen Kartenhaus vereint. Ist man unvorsichtig oder erreicht einen kritischen Punkt (wie die oben gezeichnete, harte Grenze), so kann das Ganze in sich zusammen fallen. Demnach sollte jedes neue Risiko oder die daraus erwachsene Chance im Kontext aller bisherigen Risiken evaluiert werden.

Die Bedeutung des Risikomanagements für unsere Kunden

Was das RM für die Mitarbeiter sowie das Unternehmen selbst bedeutet, wurde bereits in den vorangehenden Ausführungen herausgestellt. Was bedeute es für die Kunden? Im Prinzip das gleiche wie zuvor bereits erörtert. Ist dem Kunden bewusst, dass wir ein Risikomanagement betreiben, dies aktiv nutzen (z. B. bei der Abwicklung von Projekten), so bietet dies aus dessen Sicht ein Stück weit Sicherheit oder gar eine Art Versicherung. Versicherung in dem Sinne, dass wir als Unternehmen versichern, dass wir alles daran setzen, die Risiken zu minimieren und somit einen möglichst reibungslosen Betriebsablauf zu gewährleisten.

Fazit und Ausblick

Mit dem „Ja, ich will“ zum Chance- und Risikomanagement kann ein Unternehmen viel erreichen. Das Risikomanagement ist jedoch nicht der heilige Gral, sondern nur eines der Werkzeuge, welche durch das Unternehmen benutzt werden sollten. Wie wir gelernt haben, können kleine Anpassungen oft große Auswirkungen nach sich ziehen (vergl. die Fehlbesetzung in diversen Filmen wie: Star Wars, Episode 1 (sorry, der Film an sich ist fehl besetzt), Kristin Stewart in Twilight (uuuuaaargh), usw.).

Sehen wir uns also vor und blicken gespannt in die Zukunft.

Martin Weidig

Martin Weidig

Projektmanager

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