Einleitung

Petro ist die neu eingeführte Kryptowährung in Venezuela. Fraglich ist, ob es sinnvoll für Venezuela ist eine eigene Kryptowährung zu nutzen. Im Folgenden werde ich die allgemeine wirtschaftliche Situation beschreiben, Vor- und Nachteile aufzählen, Kritik an der Situation nehmen und die möglichen Aussichten auflisten.

Die meisten Informationen des Artikels sind dabei Stand Dezember 2018. Die politische und wirtschaftliche Situation in Venezuela verschärft sich allerdings täglich. so rechnet der IWF 2019 in Venezuela mit Inflation von 10 Millionen Prozent. An den allgemeinen Betrachtungen zum Petro ändert das aber ersteinmal nichts.

Wirtschaftskrise in Venezuela

Die schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise in Venezuela macht dem Land seit Monaten zu schaffen, unter anderem wegen des niedrigen Ölpreises. Trotz der enormen Ölreserven verfügt das Land kaum noch über Devisen für den Warenimport. Viele Firmen mussten schließen, weil die Misswirtschaft sie dazu nötigte.

Die beträchtliche Verschuldung des Landes, als auch veraltete Ausrüstung und eine dementsprechende Infrastruktur sorgen dafür, dass es fortlaufend schlechter wird. Genauso sieht es auch mit der Laune der Bevölkerung aus.

Auf die Öleinnahmen Venezuelas kann sich das Land auch nicht komplett verlassen, da diese zur Zeit bei 2,7 Barrel täglich liegen. Dadurch landet Venezuela im Ranking der Rohstoffe nur auf Platz 11 und ist von den großen Öl-Förderstaaten wie der USA und Saudi Arabien abhängig. Sobald die beiden Förderstaaten die Förderung einstellen, sorgt dies für steigende Preise. Im Gegenzug, wenn diese viel fördern, sinkt wiederum der Preis.

In der gegenwärtigen Situation liefern sich Saudi Arabien und die USA einen mächtigen Preiskrieg. Die lieferstarken Staaten fürchten sich davor Kunden zu verlieren, sollten sie ihre Produktion verringern. Die Einigung zwischen Saudi Arabien, Russland, Katar und Venezuela besteht darin, die jetzige Förderung anzupassen. Anderer Öl-Förderstaaten, wie zum Beispiel der USA oder dem Iran, könnten jedoch diese Vereinbarung ins Wanken bringen.

Obwohl Venezuela selbst das ölreichste Land der Welt ist, musste der Preis für Benzin angehoben werden. Der heutige Preis für einen Liter liegt bei einem Bolivar und ist zehnmal so teuer wie zuvor. Wo vorher der Liter Normalbenzin für zwei Jahrzehnte bei 0,07 Bolívar lag, ist er nun bei umgerechnet fünf Cent.

Prinzipiell klingt das für den deutschen Autofahrer nach dem perfekten Spritpreis, jedoch bei den Einnahmen der Bürger Venezuelas, welches einen Mindestlohn von 27.091 Bolívar haben, bedeutet ist das gar nicht mal so viel.

So kann man sagen, dass der Monatslohn umgerechnet bei 1, 50 Dollar liegt.

Im November 2017 wurden Lebensmittel wegen der täglich steigenden Preise in kleinen Portionen von unter 200 Gramm verkauft. Vier Esslöffel Zucker kosteten 4000 Bolivares, was zwei Drittel des täglichen Mindestlohns entsprach. Bis zum Sommer 2018 hatte sich die Versorgungslage nochmals verschlechtert, weil das Land zum grössten Teil auf Importe angewiesen war.

Schon im Jahr 2017 galten 80 Prozent der Bevölkerung nach 4 Jahren galoppierender Inflation als verarmt.

Genau durch solche finanziellen Bedingungen ist es den meisten Venezolaner nicht möglich, drei Mal am Tag eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Stattdessen greifen sie auf kostengünstigere Früchte, wie beispielsweise die Mango zurück.

Mittlerweile lässt sich sogar sagen, dass die Ärmsten Venezolaner acht bis elf Kilo Körpergewicht verloren haben.
Da schon für Lebensmittel keine finanziellen Mittel da sind, hat dies auch für die Gesundheit weitreichende Folgen. Überlebenswichtige Medikamente, wie bspw. Insulin, sind für die meisten Bürger Venezuelas schlichtweg nicht bezahlbar.

Das wenige Geld, das vorhanden ist wird meist über Kartenzahlung abgerechnet. Meist sind es dann mehrere EC-Karten, da die Rechnungssummen in Millionenhöhe alle möglichen Limits sprengen. Mit Bargeld wird in Venezuela so gut wie nicht mehr gezahlt. Das Bargeld selbst wird mittlerweile zur Handelsware. Ein Problem der Bargeldknappheit wird den Mafiosis gegeben, welche das Geld außerhalb schaffen und wo es als einziges Zahlungsmittel dient. In solchen Orten wird das Geld selbst auch nicht mehr gezählt sondern nur noch im Gesamten gewogen. Ansonsten besteht noch die Möglichkeit über Gold die ausstehenden Rechnungen zu bezahlen. Besitzt man jedoch Dollarnoten und kann diese auf dem Schwarzmarkt tauschen, so besteht für diese Person ein sorgenfreies Leben.

Durch die mangelnden finanziellen Mittel und die Hungersnot versuchen tagtäglich zehntausende Venezolaner ihr Glück zu Fuß die Grenzen zu überqueren, vor allem Kolumbien wird angesteuert.

Aber auch Brasilien ist ein weiterer Anlaufpunkt für die tausenden Flüchtlinge aus Venezuela. Viele, vor allem schwangere Frauen versuchen da ihr Glück. Dies liegt vor allem auch daran, dass die Versorgung sowohl in Kolumbien als auch in Brasilien vergleichsweise luxuriös ist. Untersuchungen und Schwangerschaftshilfen kosten in Kolumbien nichts, was ein großer Punkt ist, wieso viele Schwangere versuchen dorthin zu gelangen. Jedoch ist die Situation mittlerweile so ausgeufert, dass seit Juli mehr venezolanische als kolumbianische Kinder auf die Welt gebracht wurden.

Hyperinflation

Vorab sollte erwähnt werden, dass es bei einer normalen Inflation zu einer durchgehenden Erhöhung des Preisniveaus kommt, es jedoch auch mit einer Entwertung der Geldeinheit verbunden ist.

Bei der Hyperinflation hingegen erhöht sich das Preisniveau noch schneller als bei der normalen Inflation. Der Richtwert liegt in einem solchen Fall bei 50%.

Um die Hyperinflation nun ein wenig auszubremsen sollen statt dem bisher nur 100 Bolívar-Schein nun auch weitere, höhere Geldnoten gedruckt werden. Hinzukommen sollen 1.000, 2.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Bolívar. Zudem soll der 100 Bolívar-Schein komplett raus genommen werden um dadurch der Mafia das Leben schwerer zu machen.  Laut Maduro kauft diese speziell nur die größte Banknote Venezuelas auf um die Wirtschaft zu destabilisieren, indem sie ihr die Zahlungsfähigkeit nimmt.

Kryptowährung

Um dem Land wieder mehr Stabilität zu geben, sollte nun die neue Kryptowährung Petro eingeführt werden.

Zuerst sollte man überhaupt wissen, was eine Kryptowährung überhaupt ist. Viele Leute haben schon von bekannten Währungen wie Bitcoins und Ripple gehört.

Allgemein kann gesagt werden, dass Kryptowährungen gehandhabt werden wie Papierwährungen. Jedoch haben weder Regierungen noch finanzielle Institutionen Zugriff darauf. Mittlerweile bieten einige Verkaufsstellen Kryptowährung als akzeptable Zahlungsmethode an. Insgesamt ähneln die Währungen jedoch eher Rohstoffen als Devisen. Allgemein werden Kryptowährungen wie Rohstoffe gehandhabt: sie hängen nicht nur von einer bestimmten Leistung der Wirtschaft ab, Erhöhung der Geldmenge oder Zinsänderungen haben keinen direkten Einfluss auf ihren Wert. Außerdem gelten Kryptowährungen nur als wertvoll wenn viele Leute der Meinung sind, dass der Wert dauerhaft bestehen bleibt und selbst bei der Konvertierung in Papierwährung erhalten bleibt.

Vorteile und Risiken der Kryptowährung

Zu den Vorteilen gehört, dass durch den globalen Status dieser Währung sie für jede Person zugänglich ist. Sie lassen sich zudem weniger durch die Politik oder Wirtschaft eines Landes beeinflussen. Die Kryptowährung ist auf keine Börse und deren Zeiten angewiesen sondern ist zu jeder Zeit erreichbar. Auch werden getätigte Transaktionen in einem Hauptbuch erfasst und nur die wichtigsten Kundendetails bei einer Transaktion übermittelt. Des Weiteren haben sie eine stärkere und plötzlichere Preisbewegung, was sie als Währung in dieser Hinsicht unattraktiver macht und es eher von Nachteil ist, jedoch als Handelsmöglichkeit um einiges interessanter macht.

Weitere Risiken beziehungsweise Nachteile sind, dass noch nicht von allen Kryptowährungen komplett akzeptiert wurden, da einige an der Dauer dieser Währung zweifeln. Verluste, die durch Betrug oder menschliches Versagen, als auch durch technische Störungen entstehen, können nicht erstattet werden, da dafür kein System vorgesehen ist. Bisher gibt es keine genaueren Regulierungen, jedoch könnte sich dies ändern, sobald neue Mechanismen eingesetzt werden.

Allgemein ist der Petro als Währung gedacht, die komplett an die Bodenschätze, allem voran Öl, gebunden ist. Daraufhin wurde der Petro-Token (PTR) eingeführt, welcher neben dem Bolivar existieren soll und so eine alternative Zahlungsmöglichkeit ist. Prinzipiell ist dies auch kein Problem, da das Land wohl das größte Ölvorkommen der Welt hat, laut der US-Energieinformationsbehörde EIA. So kann man sagen, dass jeder gekaufte Token einem Fass Öl entspricht. Durch die Kopplung an den Rohstoff sollen extreme Kursschwankungen vermieden werden.

Der Gedanke, dass Venezuela eine Kryptowährung herausbringt hat bei einigen für Begeisterung gesorgt, da dadurch dieses Thema wieder mehr Aufmerksamkeit erhält. Jedoch sorgen die unvollständigen Informationen zu der entsprechenden Währung für Zweifel. Bisher wurden keinerlei technische Daten aufgelistet. Sowohl das Entwicklerteam, als auch die Roadmap, welche für den zeitlichen Ablauf der Verbesserungen stehen sollte sind nicht bekannt oder existent.

Ein weiterer Punkt, der unangenehm auffällt, ist die Tatsache, dass die gesamte Währung der Regierung untersteht und nicht einer unabhängigen Institution. Zudem sollen Privatplatzierungen zu einem geringeren Wert verkauft worden sein.

Es könnte durchaus sein, dass der Petro nun auch für die Projektfinanzierung genutzt wird, eben weil der Bolivar mittlerweile wertlos ist, wodurch aber auch im schlimmsten Fall der Petro entwertet werden könnte.

Aussicht

Maduro selbst plant die weitere Einführung einer neuen Kryptowährung namens Petro Gold. Diese soll an die Erdmetalle des Landes gebunden werden.

Allgemein hat in den letzten Jahren der Öl-Abbau stark abgenommen, obwohl die Kapazitäten vorhanden wären. Die Verschuldung im gesamten Land nimmt nur noch zu, während auf der anderen Seite Schulden in Höhe von circa 6,1 Milliarden Dollar nicht zurückgezahlt werden können.

In einigen Ländern, wie zum Beispiel der USA wurde auch der Ankauf des Petros verboten. Was wiederum auf Dauer ohne Käufer zu den entsprechenden Preisen das Land nicht vor dem Bankrott retten kann.

Fazit

Prinzipiell ist der Gedanke einer Kryptowährung sehr sinnvoll, solange diese wirklich unabhängig vom Staat oder deren Institutionen ist. Ich persönlich finde es bedenklich, dass der Staat hier selbst alles verwaltet und daher die Möglichkeit zur Korruption und der weiteren Ausnutzung für die eigenen Zwecke erhöht ist. In der Praxis fehlt dem Petro jegliche Dezentralisierung. Dabei sind Cryptowährungen genau deshalb so interessant weil sie sich ausserhalb einer zentralen Kontrolle bewegen. Die Frage ist berechtigt, ob der Petro lediglich eine Erweiterung des Bolivars, der gescheiterten Papierwährung Venezuelas, ist.

Dabei gibt es aber auch moralische Implikationen, denn der venezolanische Präsident Nicolas Maduro wirbt unverhohlen für sein neuen Krypto-Tokens, als Instrument zur Umgehung von Wirtschaftssanktionen, die aufgrund der massiven Korruption und Menschenrechtsverletzungen seiner Regierung erhoben werden. Dabei sollte der Präsident stellvertrtend für die gesammt politische Kaste das nach dem bestmöglichen für sein Land und die dort wohnenden Bürger streben, damit diese eine Chance auf ein besseres Leben ermöglicht bekommen. Eine Erhöhung des Grundeinkommens sollte bei anhaltendem Gewinn des Landes sich auch auf die dort lebenden Menschen auswirken. Vor allem da diese immer wieder versuchen der Armut zu entfliehen.

Allgemein kann man sagen, dass der Grundgedanke dieser Währung wirklich vernünftig erscheint, jedoch die Umsetzung an einigen Stellen noch zu sehr auf das Wohl der höheren Schicht des Landes ausgelegt sind.

Leider sind die Chancen, dass der Petro das Leben der gewöhnlichen Venezolaner verbessert, gering, die wahrscheinlich weiterhin mit Hyperinflation, Nahrungsmittelknappheit und Zugang zur Grundversorgung zu kämpfen haben werden.

Jessica Müller

Jessica Müller

Auszubildende

Wer Jessica kennenlernt bekommt schnell den Eindruck, dass sie geboren wurde um Hindernisse zu überwinden. Egal ob beim Klettern, Tanzen, oder Motorradfahren. Wen wundert‘s, dass sie mit demselben Ehrgeiz auch die Ausbildung in einer klassischen Männerdomäne anpackt: Geht nicht, gibt’s nicht!

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